Mit schönen und geraden Zähnen hat man "gut Lachen". Ein schönes
Gebiss ist ein Ausdruck von Ästhetik, Gesundheit und Vitalität.
Ein schönes Lächeln bestimmt bei sozialen Kontakten oft den ersten
Eindruck, der bekanntlich oft der entscheidende ist. Ein schönes
und gesundes Gebiss ist daher ein Stück Lebensqualität. Lücken zwischen
den Zähnen, gedrehte und schrägstehende Zähne sowie Kieferfehlstellungen
mit dadurch bedingten Beeinträchtigungen des Gesichtsprofils belasten
die betroffenen Patienten oft sehr. Ihnen ist - bewusst oder unbewusst
- das Lachen vergangen.
Regulieren nur für die Schönheit?
Die ästhetische Beeinträchtigung wird von den Patienten meist als
Anlass gesehen, sich kieferorthopädisch behandeln zu lassen. Schwerer
als die ästhetische Beeinträchtigung wiegen jedoch die gesundheitlichen
Folgeschäden, die bei unterlassener Behandlung eintreten können.
Dies sind v.a. Karies und Zahnverfärbung durch schwer zu reinigende
Nischen zwischen schiefen Zähnen, Entzündung umgebender Gewebe ("Parodontose"),
Sprachstörungen (Lispeln, fehlender Lippenschluss), Funktionsstörungen
und Haltungsschäden durch Muskel- und Gelenküberlastung. Der natürliche
Atemweg durch die Nase kann durch einen zu schmalen Oberkiefer behindert
sein; eine kieferorthopädische Behandlung dieses Problems beseitigt
oftmals auch Symptome aus dem HNO-Bereich.
Sind schiefe Zähne Zufall?
Fehlstellungen der Zähne sind meist keine Zufallserscheinung, sondern
sind die Folge eines Missverhältnisses zwischen Zahn- und Kiefergröße.
Länge, Breite und Form des Kiefers werden durch viele Faktoren während
des Wachstums und auch später im Erwachsenenalter noch beeinflusst.
Wird ein harmonisches Wachstum gestört, passen Zähne und Kiefer
nicht mehr zusammen. Neben angeborenen Fehlstellungen kommt es sehr
häufig durch Funktionsstörungen von Zunge, Lippen und Muskulatur
zur einer Zahnfehlstellung.
Warum wandern Zähne überhaupt?
Die Zähne sind nicht wie eine Schraube in der Wand fest verankert,
sondern sind an feinen Sehnen elastisch am Kieferknochen aufgehängt.
Im Kieferknochen gibt es Knochenzellen, die Knochensubstanz abbauen
(Osteoklasten) und Knochenzellen, die Knochensubstanz anbauen (Osteoblasten)
können. Die Aktivität der einen oder anderen Zellart wird durch
Druck auf die Zähne aktiviert. Wird auf einen Zahn eine bestimmte
Kraft ausgeübt, so beginnt auf der Druckseite ein Knochenabbau und
auf der Zugseite ein Knochenanbau. Der Zahn "wandert" bis die Kraft
nachlässt. Auf diese Weise passen sich Größe und Form der Kiefer
den Aktivitäten der umgebenden Muskeln an. Der Zahnbogen wird z.B.
wesentlich durch den Druck der Zunge von innen und den Druck der
Kaumuskeln von außen geformt. Befindet sich die Muskelaktivität
nicht im Gleichgewicht, kommt es zu Zahnwanderungen zu der einen
oder anderen Seite (z.B. durch Daumenlutschen). Bei Kindern und
Jugendlichen ist natürlicherweise ohnehin vieles in Bewegung. Eine
Regulierung ist in diesem Alter sinnvoll, da die Gewebe gut reagieren.
Bei Erwachsenen sind Zahnbewegungen auch noch möglich, die Beeinflussung
des Längen- und Größenwachstums im Kiefer ist allerdings schwieriger.
Diese Mechanismen macht sich die Kieferorthopädie zunutze, indem
durch Zahnspangen künstlich feine Kräfte auf die Zähne einwirken
und eine Bewegung in die gewünschte Richtung auslösen. Es wird daher
ein natürlicher Mechanismus gesteuert, die Natur quasi durch die
Zahnspangen überlistet. Je nachdem, ob die Breite bzw. Länge des
Kiefers verändert werden soll oder die Zähne nur innerhalb des Kiefers
bewegt werden, spricht man von Orthopädie oder von Orthodontie.
Dabei werden sowohl herausnehmbare Geräte (Zahnspangen) als auch
festsitzende Apparaturen (Multiband-Brackets) eingesetzt.
In welchem Alter sollte begonnen werden?
Für Patienten und Eltern besteht immer die Sorge, den richtigen
Behandlungsbeginn mit der Folge einer Verschlimmerung der Fehlstellung
zu versäumen. Hänseleien in der Schule oder Sprachstörungen können
einen frühzeitigen Behandlungsbeginn erforderlich machen. Bei stark
vorstehenden Zähnen besteht auch immer die Gefahr einer Zahnverletzung
durch einen Unfall. Abgesehen von Ausnahmefällen, ist ein Behandlungsbeginn
im sogenannten Wechselgebiss sinnvoll. Diese Phase ist erreicht,
wenn die bleibenden Schneidezähne in Ober- und Unterkiefer vollständig
durchgebrochen sind und die Milcheckzähne wackeln oder bereits ausgefallen
sind. Das ist bei Mädchen mit ca. 8 ½ und bei Jungen mit ca. 9 ½
Jahren der Fall. Ob ein Ausnahmefall für eine Behandlung vor diesem
Alter vorliegt, kann nur im Einzelfall entschieden werden. Regulierungen
können auch später bzw. im Erwachsenenalter durchgeführt werden.
Bleiben die Zähne gerade?
Da die Bewegungsmöglichkeit der Zähne lebenslang erhalten bleibt
und auch die Kiefer sich veränderten Einflüssen anpassen, besteht
theoretisch immer die Möglichkeit von Verschiebungen (sogenanntes
Rezidiv). Um das Risiko von späteren Verschiebungen zu reduzieren,
folgt der eigentlichen Regulierung eine sog. Retentionsbehandlung.
Für die dauerhafte Stabilität einer kieferorthopädischen Behandlung
ist wichtig, dass nach der Behandlung ein funktionelles Gleichgewicht
der auf den Kiefer einwirkenden Muskelkräfte besteht und die Verzahnung
möglichst ideal ist, da eine gute Verschlüsselung der Zähne durch
die Zahnhöcker spätere Verschiebungen erschwert. Damit sich ein
solcher Gleichgewichtszustand einstellen kann, wird ein sog. Retentionsgerät
erforderlich. Retention heißt "Halten" des erreichten Zustandes
ohne eine Bewegung auszulösen. Dazu werden meist lose Spangen verwendet.
Die Tragezeit dieser Retentionsgeräte beträgt 1-2 Jahre und wird
pro Tag immer weiter reduziert, bis das Gerät ganz herausgenommen
werden kann. In manchen Fällen ist eine sog. Dauerretention durch
einen festsitzenden Retainer erforderlich. Noch Fragen? Wir beraten
Sie gerne.